Amtsblatt (der Stadt Innsbruck)

Jg.1964

/ Nr.11

- S.3

Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.





vorhergehende ||| nächste Seite im Heft

Zur letzten Suche
Diese Ausgabe – 1964_Amtsblatt_11
Ausgaben dieses Jahres – 1964
Jahresauswahl aller Ausgaben

Dieses Bild anzeigen/herunterladen
Gesamter Text dieser Seite:
Nunnucr 11

Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck

Seite 3

Buch und Wissenschaft m Polen
Vom 5,. bis 12. November fand im Hotel Vreinößl
die von der Österleichisch"Polnischen Gesellschaft veranstallcle Aufstellung .,Vuch und "R^issenschasl i»
Poleil" und ,.liM» Jahre Kralnuer Infelloniscile Uni
versität" statt. Zur Eröffnung Innicn sich zahlreiche
Ehrengäste eingefunden, wie Se, Mag». Nettor Univ.Prof. Dr. Körbst mit namhaften Professoren, der Kullurreferent des Landes. Dr, Eigenller. und der Vertreter dec> Kulluramles der Stadt. Dr. Neisinger,
Nachdem der geschäftsführende Vizepräsidenl der
Österreichisch-Polnischen Gesellschaft Dr. Th. ^ l i n i tz e r die Aufstellung eröffnet hatte, dankte Vizebiirgerineister Dir. Ferdinand O b e n f e l d n e r dem
Eliropa-Verlag fiir die Organisation der Ausstellung. Er sagte dabei unter anderem, daß es frieden
zwischen den Völkern anf die Dauer nur geben könne,
wenn sich die Menschen aller Nationen und Nassen
untereinander besser kennenlernen. Eine Völkerverständigung im sportlichen Vereich sei zwar gut und
wichtig, aber doch zu wenig. M a n müsse sie auch sonst
anstreben, wie etwa in der Wissenschaft nnd Literatur.
Und deshalb sei diese Vuchausstellung herzlich w i l l kommen.
Prokurist Lingk des Europa-Verlages gab dann
noch nähere Erläuterungen und verwies auf die Leistungsfähigkeit der polnischen Verlage, die jährlich
etwa 700N bis 8000 Bücher herausbringen. Dabei ist
der Polnische Verlag der Wissenschaften erst ein Jahr-

zehnt alt. >,7 Werke der Ausstellung, nach den verschiedenen Wissensgebieten geordnet, entstammten diesem Verlag. Eine Liste mil den in>> Deutsche übersetzten Vuchliteln machte sie den Besuchern verständlich.
So ersieht »uni lmnnis z. V.> daß auch auf dem Gebiete
der beschichte in Polen Bemerkenswertes geleistet
wird. Jeder alle Österreicher müßte sich für die Arbeiten von N. Nozdolsti „Verhältnisse der Untertanen im
ehemaligen Galizien" und „Die große Steuer uud
Agrarreform Joses >!," interessieren. Dlugobowski
verfaßte Stadtgeschichlen von Breslau und Stellin,
Eine im 12. Jahrgang stehende Zeitschrift „Polnische
Neuerscheinungen" gibt monatlich eine Übersicht in
deutscher Sprache. Die Festnummer ..20 Jahre Vollspolen", die zur Wiener Herbstmesse erschienen war,
wurde in der Ausstellung verteilt.
Eine besondere Erwähnung verdient die l>0U-IahrFeier der Universität K r a l a u , die sogar ein Jahr älter
als die Wiener ist, weil es in Krakau I."llì l bereits eine
medizinische Fakultät gab. Zn diesem großartigen Fest
der polnischen Wissenschaft war auch eine (truppe österreichischer Gelehrter mit dem Nettor der Wiener Universität und dem Präsidenten der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften an der Spitze erschienen.
Den Vertretern der fast 900 Jahre allen Universität
Bologna folgten im Festzuge jene von l>7 anderen
Städten nnd Universitäten.

Die Anichsttaße
I h r e ursprüngliche Vorläuferin, das sogenannte
Pestgaßl, hatte schmale und unscheinbare Ausmaße,
ihr Voden war ungepflegt und holperig. Um 1874 kam
fiir diese von der Maria-Theresien-Straße westwärts
führende Abzweigung inoffiziell der Name „Melzergasse" auf. die bis Zur heutigen Vürgerstraße ging.
Durch den im August 1877 erfolgten Abbruch des
Melzerhnuses und -turmes gewann die Gasse einiges
an Ansehnlichkeit und Gestalt. I n seiner Sitzung vom
!50. Dezember 1878 beschloß der Innsbrucker Gemeinderat. die für den Ausbau freigegebene Strecke nach dem
berühmten Tiroler Geodäten Peter Anich zn benennen. V i s in die achtziger Jahre bestand auf der Stelle
des heutigen Vrüllhanses eine Vierwirtschaft, die als
„Melzerkeller" einen anziehenden Namen besessen
haben soll. Ein vielseitiges Vanen begann in der
Folge an beiden Seiten, wobei der tuppelgekrönte Van
an der Maria-Theresien-Slraße den Ton für einen
neuen S t i l angab. Nahezu ein halbes Jahrhundert
galt dieses vom Vrauereibesitzer Nobert Nißl errichtete
Cafc-Nestaurnut „ M a x i m i l i a n " den Innsbruckern als
eine der bevorzugtesten Einlehrstätten, lüNl war der
Ausbau der Straße so gut wie abgeschlossen, und es
konnte die Asphaltierung der Fahrbadn vorgenommen
werden.
Peter Anich ist der große Sohn von Oberperfuß, wo
er am 22. Februar 172!l als Sohn eines Kleinbauern
geboren wurde. Schon von Kindheit an hegte Peter
eine besondere Vorliebe für die Slernentunde. die ihn

einst sogar veranlaßte, sich abends in den Kirchturm
sperren zu lassen, um so die ganze Nacht über die
Wunder der Sternenwelt zu bestaunen. Nach dem Tode
des Vaters mußte er den Hof übernehmen, seine große
Liebe galt aber stets der Himmels- und Erdkunde.
M i t 28 Jahren gelang es ihm, beim gelehrten Jesuiten
Prof. Ignaz v. Weinhart der Universität Innsbruck
wissenschaftlichen Unterricht zu erhalten. Spielend
lernte Anich die höhere Mathematik nnd Geometrie.
Da Weinhart auch bald die Kunstfertigkeit Anichs im
Basteln erkannte, trug er ihm auf, einen astronomischen Himmelsglobus für die Studienbibliothek der
Universität anzufertigen. MitVegeisterung schritt er
ans Wert. Ans Holz machte er zwei Halbtugeln, die er
dnrch Schrauben zu einer Kugel von fast einem Meter
Durchmesser mit einem Gewicht von 50 kg zusammenpaßte. Anf der Oberfläche der Kugel war der Sternenhimmel mit mathematischer Genauigkeit ausgezeichnet.
Ein Uhrwerk drehte den Globus in 2N Stunden nnd
7><> Minuten um seine Achse. Dieser Anichsche Himmelsglobus ist heute eines der wertvollsten Schaustücke des
Tiroler Landesmnseums. Auch als Kartograph leistete
Anich Außerordentliches. Sein erstes Wert auf diesem
Gebiete war eine Landkarte des Kriegsschauplatzes
zwischen Preußen nnd Österreich in Schlesien (1756 bis
17<;:l). Dann erhielt er den Auftrag, das Land T i r o l
zu oermessen und eine Landkarte anzufertigen. E r
vollendete dieses Niesenwert uud holte sich bei den
Arbeilen in den snmpfigen Niederungen an der Etsch