Innsbruck Informiert

Jg.2024

/ Nr.12

- S.22

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Stadtgeschichte

Flieger aus Tirol und Vorarlberg
im Ersten Weltkrieg

Innsbruck, träumte. Im selben Jahr kam
auch Major Alfred von Eccher zu den k.u.k.
Luftfahrtruppen. Gegen Kriegsende war
er Kommandant der Flieger an der Tiroler
Front. Anschließend leitete er den neu eröffneten Innsbrucker Flugplatz in der Reichenau.

Die meisten Tiroler Flieger des Ersten Weltkriegs, darunter zahlreiche
Innsbrucker, sind völlig vergessen. Eine neue vierteilige Buchserie
beleuchtet ihre Lebensgeschichten.

Fliegerangriff auf Innsbruck 1918

von Nikolaus Hagen und Thomas Albrich

© STADTARCHIV/STADTMUSEUM(2)

Im Kriegsjahr 1917 wurde die Luftlage
immer dramatischer und die Bedrohung
Südtirols nahm immer weiter zu. In größeren Gemeinden wurden Luftschutzmaßnahmen ergriffen und schließlich ein
militärischer „Luftfahrzeugabwehrdienst“
für Tirol und Vorarlberg mit Kommando
in Innsbruck aufgestellt. Mit Jahresanfang
1918 kam der Luftkrieg endgültig in voller Härte in Tirol an. Während Trient und

Im November 1918 auf der Ulfiswiese in der Höttinger Au in Innsbruck abgestellte Flugzeuge der k.u.k. Luftfahrtruppen

D

er Erste Weltkrieg wird heute, gerade mit Blick auf die Südwestfront gegen Italien, vor allem mit
dem Gebirgskrieg assoziiert. Weitgehend
vergessen ist, dass Tirol im Ersten Weltkrieg auch Schauplatz des Luftkrieges
war. Schon 1916 wurden Orte im heutigen
Trentino Ziel von italienischen Fliegerangriffen. Im Februar 1918 war schließlich
auch Innsbruck von einem Luftangriff betroffen. Wenig bekannt ist, dass unter Fliegern des Ersten Weltkriegs auch mindestens 150 Tiroler waren. Sie stammten aus
allen Teilen des ehemaligen Kronlandes:
Aus Nord- und Südtirol ebenso wie aus
dem Trentino und Vorarlberg. Ihre Biografien wurden nun erstmals in einem vierbändigen Werk aufgearbeitet.

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INNSBRUCK INFORMIERT

Die Pioniere der Luftfahrt in Tirol
Zur Vorgeschichte der Militärfliegerei
gehören die Pioniere der Luftfahrt in Tirol. Diese sammelten sich um den „Verein für Luftschiffahrt in Tirol“, der zwei
Ballone beschaffte, mit denen ab 1910
lange Fahrten unternommen wurden. Zu
den frühen Tiroler Ballonführern zählten
die Innsbrucker Heinz von Ficker, ein bekannter Föhnforscher, der Optiker Fritz
Miller sowie Hermann Schwaighofer, ein
Privatier. Sie alle wurden bei Kriegsbeginn in die Luftstreitkräfte eingezogen.
In ihrem Umfeld bewegte sich auch
der junge Innsbrucker Student Oskar
Hummel, der 1910 den „Alpenjäger“,
das Modell eines neuartigen lenkbaren Luftschiffs in Innsbruck vorstellte.

Die Umsetzung dieses zukunftweisenden Ansatzes scheiterte schließlich an
Geldmangel. Erst zwei Jahre später, im
September 1912, war anlässlich der
Innsbrucker Flugtage erstmals ein Motorflugzeug in Tirol zu sehen.

Der Luftkrieg kommt nach Tirol
Bei Kriegsbeginn steckten die k.u.k. Luftfahrtruppen noch in den Kinderschuhen.
Die Kriegserklärung des ehemaligen Verbündeten Italien im Mai 1915 änderte
die Lage dramatisch. Die Luftfahrtruppen
konnten zu Beginn der Feindseligkeiten im
Süden gerade einmal drei Fliegerkompagnien mit jeweils sechs nur zum Teil einsatzbereiten Maschinen ins Feld bringen.
Zur Verstärkung kam im Sommer 1915 für

Bozen und andere Orte im Süden regelmäßig bombardiert wurden, war die Landeshauptstadt Innsbruck am 20. Februar 1918
überraschend das Ziel eines Fliegerangriffs. In den letzten beiden Kriegsjahren
stießen noch einmal über 80 neue Flieger
aus Tirol und Vorarlberg als Beobachter
und Piloten zu den k.u.k. Luftfahrtruppen.
Manche, wie der junge Innsbrucker Maler
Oskar Knoll, fanden nach kurzer Zeit ihren
Tod im Luftkampf. Andere, wie der Innsbrucker Gottfried Tschorner, der noch im
August 1918 seine Ausbildung begann, kamen gar nicht mehr erst zum Einsatz. Das
plötzliche Kriegsende Anfang November
1918 führte zu einer chaotischen Auflösung der k.u.k. Luftfahrtruppen, von der
die vielen zurückgelassenen Flugzeuge in
Innsbruck und Hall zeugten.

Aufräumarbeiten am Innsbrucker Hauptbahnhof nach
dem Angriff vom 20. Februar 1918

kurze Zeit eine bayerische Fliegerstaffel
ins Pustertal. Unter dem fliegenden Personal der k.u.k. Luftfahrtruppen befanden
sich damals gerade einmal ein Dutzend
Piloten und Beobachteroffiziere aus Alttirol.
Schon zu Beginn des Kriegsjahres 1916
wurde das heutige Trentino immer verstärkt zum Ziel italienischer Fliegerangriffe und der Luftkrieg damit auch für die
Tiroler Bevölkerung in den Grenzregionen
immer spürbarer. Im Gegenzug starteten
die Luftfahrtruppen Vergeltungsangriffe
auf italienische Städte wie Mailand, Venedig und Padua. Ein Großangriff auf die
Brücken über den Piave endete mit heftigen Verlusten der angreifenden k.u.k.
Flieger.
Einer der Tiroler, die 1916 zu den Luftfahrtruppen stießen, war der Innsbrucker
Fluglehrer Franz Chizzali, ein Phantast der
Nachkriegszeit, der vom Bau eines Flugfelds auf der Seegrube, 1900 Meter über

Bücherkasten:
Thomas Albrich/Nikolaus Hagen/Stefan Stachniss
Flieger aus Tirol und Vorarlberg in den k.u.k. Luftfahrtruppen
Universitätsverlag Wagner, Innsbruck

Band 1: Feldpiloten,
Beobachteroffiziere und
Ballonfahrer bis Ende 1915
(April 2024)

Band 3: Feldpiloten,
Beobachteroffiziere und
Ballonfahrer bis Ende 1917
(Winter 2024/25)

Band 2: Feldpiloten,
Beobachteroffiziere und
Ballonfahrer bis Ende 1916
(April 2024)

Band 4: Feldpiloten,
Beobachteroffiziere und
Ballonfahrer bis Ende 1918
(Winter 2024/25)