Innsbruck Informiert
Jg.2024
/ Nr.11
- S.5
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Gewalt kann überall vorkommen – sowohl vorbeugender Schutz davor als
auch akute Hilfe für Betroffene im Ernstfall sind essentiell.
D
ie Einsatzkräfte der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) kümmern
sich innerhalb ihrer Befugnisse
rund um die Uhr um Recht und Ordnung
im Stadtgebiet. Dazu zählen neben der
Parkraumüberwachung oder der Einhaltung der Spielplatzordnung auch Einsätze
bei Ruhestörungen oder zur Sicherheit der
städtischen Mitarbeitenden (Mehr dazu
auf Seite 18).
Für den Ernstfall sind die Mitarbeitenden
der MÜG ausgebildet, vom Kommunikationstraining, bei dem der deeskalierende
Dialog im Vordergrund steht, bis hin zum
Einsatztraining, das unter Aufsicht von
durch das Bundesministerium für Inneres
ausgebildeten Einsatztrainern stattfindet.
Zusätzliche Schutzausrüstung wie Schutz8
INNSBRUCK INFORMIERT
westen oder Pfeffersprays gehören aus Sicherheitsgründen ebenfalls zum Inventar
der MÜG.
Aber auch wenn die Mitarbeitenden der
MÜG in Konfliktlösung und Selbstverteidigung geschult sind, wenn sie auf potenzielle Gewaltsituationen treffen: Bei
akuter Gewalt gegen Personen – in der Öffentlichkeit, zuhause oder auch in Institutionen und Vereinen – sowie Verdachtsfällen ist die Polizei zuständig. Bei einem
akuten Fall von Gewalt sollte deshalb immer sofort die Polizei unter der Nummer
133 kontaktiert werden. Doch welche
Möglichkeiten gibt es, Gewalt schon im
Vorhinein zu verhindern – und wie kann
Opfern von Gewalt darüber hinaus geholfen werden?
Sichere Orte
Gewaltschutz
Gewalt findet nicht nur im häuslichen
Umfeld oder in der Öffentlichkeit statt –
sondern auch in institutionellen Kontexten,
beispielsweise in Sportvereinen. Möglichkeiten, dem präventiv vorzubeugen, bieten eigene Schutzkonzepte für Vereine.
Die Stadt Innsbruck fördert deshalb seit
Jahresbeginn mehrere Innsbrucker Vereine bei der Erstellung und Umsetzung eines
Schutzkonzeptes für Kinder und Jugendliche unter Anleitung der Tiroler Kinder und
Jugend GmbH. Im Rahmen der Initiative
„Safe Places Tirol“ werden die Organisationen umfassend für das Thema „Gewaltschutz“ sensibilisiert und Maßnahmen zur
Gewaltprävention und der Umgang mit
Verdachtsfällen erarbeitet.
Nach Fällen von Gewalt ist die medizinische Betreuung essentiell: Seit Frühjahr
bietet die Innsbrucker Klinik deshalb auch
eine eigene Gewaltschutz-Ambulanz an.
Durch das spezialisierte Angebot wird sichergestellt, dass Opfer von Gewalt rasch,
niederschwellig und auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittene medizinische Betreuung
erfahren – sowohl auf physischer als auch
psychischer Ebene. Zusätzlich kann in der
Innsbrucker Klinik mit dem Code-Wort „Ich
muss zu Dr. Viola“ jederzeit vermittelt werden, dass man sich bedroht fühlt und Hilfe
aufgrund von Gewalt braucht.
Im medizinischen Bereich sind vor allem
auch SchulärztInnen besonders auf Fälle
von Gewalt sensibilisiert: Alle SchulärztIn-
© C. FORC
Schutz und Hilfe
Darauf basierend wird ein individuell auf
den Verein zugeschnittenes Schutzkonzept erstellt und umgesetzt. Dieses kann
etwa die Ernennung von Kinderschutzbeauftragten, Standards für Personalmanagement und Kommunikation, einen Verhaltenskodex für Mitarbeitende oder die
Einrichtung von Beschwerdemöglichkeiten vorsehen.
HER
© M.FREINHOFER
Die MÜG ist für den Ernstfall gerüstet
und geschult in Deeskalation. Bei Gewalt
sollte aber die Polizei gerufen werden.
„Wo immer Gewalt auftritt, sollte für uns
alle gelten: Nicht die Augen verschließen,
sondern hinschauen und aktiv werden,
wenn Mitmenschen Hilfe brauchen. Dieser
Verantwortung müssen wir als Gesellschaft
tagtäglich nachkommen.“
Bürgermeister Ing. Mag. Johannes Anzengruber, BSc
nen der Stadt Innsbruck sind speziell darauf geschult, Anzeichen von Gewalt zu erkennen und bei Verdachtsfällen adäquat
zu handeln. Weiterführendes Informationsmaterial zum Thema Gewalt und Gewaltschutz findet sich zusätzlich auch im
städtischen Gesundheitsamt.
Weitere Hilfe
Darüber hinaus gibt es verschiedene Stellen, die sich um Betroffene von Gewalt
kümmern und an die man sich wenden
kann: Das Gewaltschutzzentrum Tirol bietet kostenlose, anonyme und vertrauliche
Unterstützung für alle, die von Gewalt betroffen sind, und ist erreichbar von Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr unter
der Telefonnummer +43 512 57 1313 oder
auf www.gewaltschutzzentrum-tirol.at.
Für Mädchen und Frauen bietet das
Frauenhaus Tirol, rund um die Uhr erreichbar unter der Telefonnummer
+43 512 342 112, rasch und unkompliziert Schutz und Unterkunft. Unter
www.frauenhaus-tirol.at finden sich
dazu weitere Informationen. Auch der
Innsbrucker Sozialroutenplan unter
www.innsbruck.gv.at/sozialroutenplan
listet zahlreiche Einrichtungen im Innsbrucker Stadtgebiet auf, an die sich Betroffene von Gewalt wenden können.
„Nur durch ein Zusammenwirken an verschiedenen Stellen können wir einerseits
durch Prävention verhindern, dass es zu
Gewalt kommt, andererseits aber auch Opfern von Gewalt direkt und niederschwellig helfen – sowohl im akuten Ernstfall
als auch bei der weiteren Begleitung. Hier
sind wir als Gesellschaft alle in der Pflicht,
uns schützend vor Betroffene zu stellen
und es ihnen zu ermöglichen, langfristig
aus Gewaltsituationen zu entkommen“,
betont Bürgermeister Ing. Mag. Johannes
Anzengruber, BSc abschließend. FB
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