Innsbruck Informiert
Jg.2024
/ Nr.10
- S.22
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Gesamter Text dieser Seite:
Stadtgeschichte
Ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird
aus – eine enge Beziehungen zum Haus
Habsburg. So besuchten zahlreiche Mitglieder des Erzhauses Gottesdienste in
St. Jakob. Man denke nur an Kaiser Friedrich III. (1415–1493) – auch als „des Heiligen Römischen Reiches Erzschlafmütze“
bekannt –, der hier bei der Christmette
im Jahr 1442 das Evangelium gesungen
hat oder an das Hochamt anlässlich der
Erbhuldigung 1838, dem Kaiser Ferdinand I. (1793–1875) mit seiner Gemahlin beiwohnte. Apropos Ferdinand: Seine
Großeltern, der spätere Kaiser Leopold II.
(1737–1792) und die spanische Infantin
Maria Ludovica (1745–1792), hatten am
5. August 1765 in St. Jakob geheiratet. Mit
Erzherzog Maximilian III. (1558–1618) und
Erzherzog Eugen (1863–1954) fanden hier
gleich zwei Habsburger ihre letzte Ruhestätte. Und natürlich wurden zur Geburt
eines Erzherzogs oder einer Erzherzogin, zu Regierungsjubiläen und Kaisergeburtstagen in St. Jakob Festgottesdienste
gefeiert. Exemplarisch hierfür steht der
80. Geburtstag Kaiser Franz Josephs
(1830–1916), der am 18. August 1910 begangen wurde: „Um 10 Uhr vormittags zelebrierte in der St. Jakobs-Pfarrkirche hier
Se. Gnaden Erbland-Hofkaplan Abt Adrian
Zacher des Stiftes Wilten das Hochamt
Vor 300 Jahren – am 9. September 1724 – wurde nach einer Bauzeit
von sieben Jahren der barocke Neubau der Stadtpfarrkirche St. Jakob
geweiht. Grund genug, einen Blick in die wechselhafte Geschichte
dieses Gotteshauses zu werfen.
© WATZEK, HALL IN TIROL.
von Matthias Egger
Der Doppeladler über dem Hoforatorium in St. Jakob steht symbolisch für die einst enge Verbindung zwischen Thron und Altar.
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INNSBRUCK INFORMIERT
Schenacher (1687–1734), war doch St. Jakob zur „vornemmung sothanes Actus bey
waitem noch nit im Standt.“ So musste der
Fürstbischof von Brixen noch am Tag vor
der Weihe die Messe in der Spitalskirche
zelebrieren, „da es in der Pfarr[kirchen]
noch ein solches Aussehen hatte“, dass
an einen Gottesdienst nicht zu denken
war. Schenacher und seine Helfer waren
praktisch bis unmittelbar zum Beginn der
Konsekration am 9. September 1724 damit beschäftigt, Kirche und Sakristei in einen dem Anlass angemessenen Zustand
zu versetzen. Alles ging glatt und so konnten die Feierlichkeiten mit ihrer barocken
Prachtentfaltung über die Bühne gehen,
wobei die Rückführung des Gnadenbildes
den Weiheakt an Prunk bei weitem überstrahlte.
Thron und Altar
Die Geschichte von St. Jakob reicht freilich
weit über das Jahr 1724 zurück, nämlich
bis ins 12. Jahrhundert. Dabei bestand
über Jahrhunderte – und auch über den
Zusammenbruch der Monarchie hin-
© J. STRICKNER
A
ls im Sommer 1724 der Neubau
der Innsbrucker Stadtpfarrkirche –
„Gott Lob“, wie es im Ratsprotokoll
heißt – zumindest äußerlich abgeschlossen werden konnte, liefen sogleich die
Planungen für die Weihe und die Rückführung des Gnadenbildes Mariahilf, das 1717
in der Spitalskirche übertragen worden
war, an. Einladungen wurden verschickt,
Pulver und Böller beschafft, die Harnische
poliert, der Festschmuck vorbereitet und
der Ablauf festgelegt. Am meisten zu tun
hatte dabei wohl der Pfarrmesner Johann
DER INNSBRUCKER DOM ZU SANKT JAKOB
Matthias Egger
Florian Huber
Lukas Morscher
Neues aus der Geschichte
von St. Jakob
Historische Ansicht von St. Jakob aus dem Jahr 1805. Erst
1964 erfolgte die Erhebung der Stadtpfarrkirche zum Dom.
Der Innsbrucker Dom zu St. Jakob ist nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern ein lebendiges Zeugnis außergewöhnlicher Kunst und tiefer
Spiritualität. Dieser reich illustrierte Band entführt Sie auf eine faszinierende
Reise durch drei Jahrhunderte und darüber hinaus, die dieses Baujuwel und
seine Bedeutung für die Stadt Innsbruck und die Diözese entscheidend geprägt haben. Die Mauern von St. Jakob wissen nicht nur von bedeutenden
historischen Ereignissen zu erzählen, sondern beherbergen eine Vielzahl bekannter und unbekannter Archivalien und Kunstwerke, die nun von
namhaften Expert:innen vor den Vorhang geholt werden.
Erfahren Sie etwa mehr über den historischen Musikalienbestand des Doms,
das verschwundene Grabmal des Burgriesen Niklas Haidl, das vergessene
Heilige Grab oder die Bedeutung des Südturms für die Vermessung von Tirol
und entdecken Sie die historische, künstlerische und spirituelle Bedeutung
dieses barocken Meisterwerks auf völlig neue Weise.
mit Tedeum bei welchem von allen Kirchen feierliches Glockengeläute erschallte. Dem Festgottesdienste wohnten der
Herr Statthalter Freiherr v. Spiegelfeld an
der Spitze der politischen Beamtenschaft
[…] und Vertreter vieler […] geistlicher und
weltlicher Korporationen, sowie viele Andächtige aus allen Ständen und Bevölkerungsklassen bei.“ Heute zeugt von dieser
einst engen Verbindung von Thron und
Altar u. a. noch der Doppeladler über dem
Hoforatorium in St. Jakob.
Verborgene Geschichte(n)
Während die imperialen Verbindungen
von St. Jakob recht bekannt sind, gibt es
zahlreiche Facetten seiner Geschichte, die
heute nur mehr einer Hand von Spezialisten ein Begriff sind. Oder hätten Sie
gewusst, dass der Südturm von St. Jakob
den „Koordinatenursprung der k. k. Katastralvermessung für Tirol und Vorarlberg“
gebildet hat? Ganz zu schweigen von
der Bedeutung der Längenangabe „östlich von Ferro“, die sich auf der Gedenktafel am Südturm findet? Aber nicht nur
in puncto Wissenschaftsgeschichte hält
St. Jakob Überraschungen bereit. Auch mit
Blick auf die Kunst-, Musik-, Kirchen- und
Sozialgeschichte gibt es viel zu entdecken. Zu nennen wäre hier etwa die Rolle des Stadtpfarrers bzw. Dechanten von
St. Jakob, „wenn Frauen und Männer Eheversprechen einklagten oder eine Scheidung von Tisch und Bett beabsichtigen.“
Im Propsteiarchiv findet sich hierzu ein
eigener Aktenbestand (die sogenannten
Matrimonialia), der interessante Einblicke
in alle möglichen Problemfelder eröffnet,
„die im Vorfeld der Hochzeit und während
der Ehe auftreten konnten.“ Mehr über
diese und andere (un)bekannte Aspekte
aus der Geschichte von St. Jakob erfahren
Sie in der neusten Publikation des Innsbrucker Stadtarchivs.
ISBN 978-3-7022-4224-4
DER INNSBRUCKER DOM
ZU SANKT JAKOB
Tauchen Sie ein in die Welt
des Innsbrucker Doms zu St. Jako
Der Dom als ein Ort tiefgreifender historischer
Ereignisse und religiöser Rituale
Bekanntes und Unbekanntes
aus seiner Geschichte
Alle bedeutenden Kunstwerke von namhaften
Expert:innen erläutert
Basierend auf den neuesten wissenschaftliche
Erkenntnissen aus Archäologie, (Kunst-)Gesch
Musikwissenschaft und Theologie
Herausgegeben von:
Matthias Egger
Florian Huber
Lukas Morscher
Matthias Egger / Florian Huber /
Lukas Morscher (Hrsg.):
Der Innsbrucker Dom zu St. Jakob.
Bekanntes und Unbekanntes aus
seiner Geschichte.
Reihe: Veröffentlichungen des
Innsbrucker Stadtarchivs, Neue
Folge 79, Tyrolia-Verlag, InnsbruckWien 2024. 328 Seiten; 74 farb. und
7 sw. Abb., 1 Kartenausschnitt; 35 Euro.
ISBN 978-3-7022-4224-4
Erhältlich im Stadtarchiv/Stadtmuseum
Innsbruck, im gut sortierten Buchhandel
und unter www.innsbruck.gv.at/shop.
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