Amtsblatt

Jg.1958

/ Nr.6

- S.2

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Amtsblatt der Landeohauptstadt Iinisbruct

Nummer li

Hundert Jahre Innsbrucker Gaswerk
Viele Stadtbilder haben sich seit dem Mittelalter
so lange kaum verändert, bis die großen technischen
Neuerungen des 19. Jahrhunderts sie plötzlich aus
ihrem Jahrhunderte währenden Dornröschenschlaf erweckten und zu modernen Städten wandelten. Auch
Innsbruck verdankt seinen sprunghaften Aufstieg der
Einführung solcher Erfindungen, besonders der Eisenbahn, des Leuchtgases und dann der Elektrizität. Das
Gaswerk, das eben seinen 100jährigen Bestand feierte,
wurde kurz nach Eröffnung der Unterinntaler Bahn
fertiggestellt. Die Einführung der Gasbeleuchtung in
Innsbruck, die langwierige Verhandlungen ausgelöst
hatte, wird zusammengefaßt in der vorzüglich ausgestatteten Festschrift aufgezeigt, die von der Firma
Heinrich K o p p e r s in Essen — natürlich in Zusammenarbeit mit dem Direktor des Innsbrucker Gaswertes I n g . Ernst M a r t i n — dem jubilierenden
Geschäftspartner als kostbare Geburtstagsgabe auf
den Tisch gelegt wurde. Besonders der Fachmann mag
seine helle Freude an den zahlreichen Abbildungen
der technischen Einrichtungen des Innsbrucker Gaswerkes und den minutiösen Planskizzen haben. Die
Innenseite des Titelblattes schmückt eine Wiedergabe der Radierung von Rudolf Katzung „Blick auf
das Goldene Dachl", auf der am runden Eckpfeiler des
Ezichnahauses eine mächtige Gaslaterne zu sehen ist.
Das Jubiläum des Gaswerkes war verbunden mit
der 68. Iahrestagung der Österreichischen Vereinigung
für das Gas- und Wasserfach sowie der 74. Iahrestagung des Bayrischen Gas- und Wasserfaches (vom
2. bis 5. J u n i ) . Auf beiden hielten namhafte Experten Fachuorträge, nachdem Bürgermeister Dr. L u g g e r die Tagungsteilnehmer mit folgender Ansprache
begrüßt hatte:
„ V o r ungefähr einem Jahr wurde mir mitgeteilt,
daß anläßlich des 100jährigen Vestandsjubiläums des
Gaswerkes Innsbruck beabsichtigt sei, die 68. Iahrestagung der Österreichischen Vereinigung für das Gasund Wasserfall) in Innsbruck abzuhalten.
Inzwischen ist auch ein alter Brauch wieder aufgelebt, wonach bei solchen österreichischen Gas-WasserTagungen in den Landeshauptstädten der an Deutschland grenzenden Bundesländer die benachbarten süddeutschen Verbände ihre Iahrestagung gemeinsam
abhalten.
Es war das letztem«! im Jahre 1932, daß sich die
beiden Verbände, die österreichische und die bayrische
Vereinigung für das Gas- und Wasserfach, zu gemeinsamen Veratungen getroffen haben. Dann kam eine
harte, schicksalsschwere Zeit.
Daß gerade Innsbruck die Stadt ist. die diese alten
freundschaftlichen Bande erstmals wieder knüpft, hat
uns besonders gefreut. Und ich möchte Sie alle, aus
nah und fern, von hüben und drüben, die Sie in unser
Innsbruck gekommen sind, um hier fachliche Veratungen zu pflegen, auf das allerhcrzlichste begrüßen.
Die heutige Fachtagung in diesem großen Nahmen
bringt es mit sich, daß die Teilnehmer auf breiter
Basis den Gedankenaustausch pflegen können und damit sicher neue und wertvolle Anregungen für ihr
Arbeitsgebiet gewinnen.

Mein Wunsch geht nun dahin, daß Sie die Tage in
Innsbruck nichl nur in ernster Arbeit verbringen, sondern auch die Schönheiten unserer Stadt und unserer
Berge genießen und sich gerne an diese Tage in T i r o l
erinnern.
Bei der Fahrt am Donnerstag nach Meran denken
Sie bitte daran, daß auch das Land südlich des Brenners mit seinen schönen Städten, malerischen Dörfern,
alten Burgen, stolzen Bergen, grünen Matten und
Weinreben T i r o l ist.
Um nun auf unsere städtischen Werke zu kommen,
ist Innsbruck in der glücklichen Lage, ein modernes
und einzigartiges Wasserwerk zu besitzen. Dieses Wasserwerk wurde schon lange geplant und in der Kriegszeit mit seinem B a u begonnen. Nach 19!.", ging man
mit Hochdruck an den Ausbau des neuen Mühlauer
Werkes, welches 1953 fertiggestellt wurde. Der nächste
Weg zur besseren Wasserversorgung Innsbrucks ist
die Fcrtiglegung einer kapazitätsstarten Leitung um
das Stadtgebiet herum. Die Versorgung Innsbrucks
mit bestem und einwandfreiem Trink- und Nutzwasser ist auf Jahrzehnte hinaus selbst dann gewährleistet, wenn das rasche Anwachsen unserer Stadt so
anhalten würde, wie dies seit Kriegsende zu beobachten ist.
Ich habe schon eingangs erwähnt, daß gleichzeitig
das 100jährige Vestandsjubiläum des Gaswertes
Innsbruck gefeiert werden soll. Es ist über 100 Jahre
her und war 1854, bevor also noch das erste Gaswerk
erbaut wurde, daß hier an dieser Stelle, wo einmal
die alten Redoutensäle standen, die im Krieg zerbombt worden sind, im Keller des alten Gebäudes
in einer Netorte aus Seefelder Ölschiefer ein Olgas
gewonnen wurde, mit welchem diese Redoulensäle
zur damals allgemeinen Begeisterung beleuchtet worden sind.
Es fehlte in den Folgejahren nicht an Schreiben
und Eingaben an die Gemeindeverwaltung, doch die
Gasbeleuchtung in Innsbruck einzuführen, und so
befaßte sich der seinerzeitige Vürgerausschnß der Stadt
Innsbruck erstmalig im Jahre 1856 mit dem Gedanken, in Innsbruck ein Gaswert zu errichten. Nach
langwierigen Verhandlungen schloß am 10. März
l858 die Stadt Innsbruck mit dem herzoglich coburgschen Finanzrai Ludwig August Niedinger aus Augsburg, der bis dahin schon 18 Gaswerke erbaut hatte,
einen Vorvertrag zur Erbauung dieses Wertes in
Innsbruck, wobei die Stadt verlangte, daß vorläufig
206 Gaslatcrnen zur Beleuchtung der damaligen I n nenstadt niit Leuchtgas versorgt werden. Durch diese
sollte die alte Ölbeleuchtung ersetzt werden. Die Bedingung der Sladl war damals, daß von 20»; Gaslaternen 80 bis 21.30 Uhr, 115 bis 0.30 Mir und 11
Stück die ganze Nacht brennen sollten.
I n für damalige Verhältnisse unwahrscheinlich
kurzer Zeit tonnte dieses erste Gliswert mit den Rohrleitungen bis Maria-TIieresien-Straße und ""Altstadt
so fertiggestellt werden, daß die erste Gaserzeugung
und Beleuchtung am 20. November 1859 vor sich ging.
Ich w i l l Sie mit weiteren Daten der Entwicklung
des Gaswerkes verschonen, denn die Geschichte dieses